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Steuern & Jahresabschluss

Verdeckte Gewinnausschüttung: typische Fälle, Folgen und Beispiele

Was eine verdeckte Gewinnausschüttung ist, welche Fälle in der Ein-Personen-GmbH typisch sind, welche Steuern auf GmbH und Gesellschafterin zukommen und was eine Vereinbarung braucht. Mit Fall-Tabelle und Modellrechnung.

Fideus Redaktion15 Min. Lesezeit

Eine verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) liegt vor, wenn eine GmbH ihrer Gesellschafterin einen Vorteil zuwendet, den sie einer fremden Person nicht gewährt hätte. Dadurch sinkt ihr Gewinn. Typisch in der Ein-Personen-GmbH sind ein zu hohes oder rückwirkend erhöhtes Gehalt, private Ausgaben über die GmbH und Geld vom Firmenkonto ohne Vertrag. Das Finanzamt rechnet den Betrag dem Gewinn der GmbH wieder hinzu; bei der Gesellschafterin gilt er als Kapitalertrag.

Was ist eine verdeckte Gewinnausschüttung?

Eine verdeckte Gewinnausschüttung ist eine Ausschüttung, die nicht als solche beschlossen wurde. Die GmbH gibt ihrer Gesellschafterin Geld oder einen anderen Vorteil, bucht ihn aber als Aufwand oder verzichtet auf einen Ertrag. Steuerlich wird das korrigiert: Nach § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG mindert eine verdeckte Gewinnausschüttung das Einkommen der GmbH nicht.

Die Finanzverwaltung definiert den Begriff in den Körperschaftsteuer-Richtlinien:

„Eine vGA i. S. d. § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG ist eine Vermögensminderung oder verhinderte Vermögensmehrung, die durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst ist, sich auf die Höhe des Unterschiedsbetrags i. S. d. § 4 Abs. 1 Satz 1 EStG auswirkt und nicht auf einem den gesellschaftsrechtlichen Vorschriften entsprechenden Gewinnverteilungsbeschluss beruht.“ – R 8.5 Abs. 1 KStR 2022

Durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst ist ein Vorteil, wenn die GmbH ihn bei der Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters einer fremden Person nicht gewährt hätte. So hat es der Bundesfinanzhof zuletzt am 24. Oktober 2024 (I R 36/22) bestätigt. Dieser Fremdvergleich ist der Kern jeder Prüfung.

Wann liegt eine verdeckte Gewinnausschüttung vor?

Eine verdeckte Gewinnausschüttung hat vier Voraussetzungen, die zusammenkommen müssen. Die GmbH verliert Vermögen oder verzichtet auf einen Ertrag. Der Grund liegt in der Beteiligung, nicht im Geschäft. Der Gewinn der GmbH sinkt dadurch. Und es gibt keinen ordentlichen Gewinnverteilungsbeschluss, der die Zahlung trägt.

  • Vermögensminderung oder verhinderte Vermögensmehrung: Die GmbH zahlt zu viel, etwa ein überhöhtes Gehalt, übernimmt private Kosten oder verzichtet auf einen Ertrag, etwa auf Zinsen für Geld, das die Gesellschafterin vom Firmenkonto nimmt.
  • Veranlassung durch das Gesellschaftsverhältnis: Eine fremde Person hätte den Vorteil nicht erhalten.
  • Auswirkung auf den Gewinn: Der Vorteil mindert den Gewinn der GmbH in ihrer Bilanz.
  • Kein Gewinnverteilungsbeschluss: Eine offene Gewinnausschüttung mit ordnungsgemäßem Beschluss ist keine verdeckte.

Warum gelten für die Ein-Personen-GmbH strengere Regeln?

Wer alle Anteile hält, ist beherrschende Gesellschafterin. Für sie reicht ein angemessener Preis nicht. Nach R 8.5 Abs. 2 KStR 2022 ist in der Regel eine verdeckte Gewinnausschüttung anzunehmen, wenn es an einer „zivilrechtlich wirksamen, klaren, eindeutigen und im Voraus abgeschlossenen Vereinbarung“ fehlt. Dasselbe gilt, wenn nicht nach der Vereinbarung verfahren wird. Das gilt für Gehalt, Miete, Darlehen und jede andere Leistung zwischen GmbH und Gesellschafterin.

Der Grund: Eine Alleingesellschafterin könnte sonst im Nachhinein festlegen, ob Geld als Gehalt, Miete oder Zins gilt. Rückwirkende Vereinbarungen erkennt das Finanzamt deshalb in der Regel nicht an. Über jeden Beschluss muss die Alleingesellschafterin unverzüglich eine Niederschrift aufnehmen und unterschreiben (§ 48 Abs. 3 GmbHG). Die Regeln gelten für GmbH und UG gleichermaßen; worin sich die beiden sonst unterscheiden, erklärt der Artikel UG vs. GmbH.

Verdeckte Gewinnausschüttung: Beispiele aus der Ein-Personen-GmbH

Eine verdeckte Gewinnausschüttung setzt keine Absicht voraus; oft fehlt nur die Form. Die Tabelle zeigt acht typische Fälle, warum das Finanzamt sie als verdeckte Gewinnausschüttung wertet, welcher Betrag betroffen ist und was die Vereinbarung braucht. Die Beispiele sind allgemein; ob ein Fall vorliegt, hängt vom Einzelfall ab.

Typische Fälle verdeckter Gewinnausschüttungen in der Ein-Personen-GmbH mit Grund, Betrag und Anforderungen an die Vereinbarung
FallWarum vGABetrag der vGAWas die Vereinbarung braucht
Zu hohes Gehalt oder zu hohe TantiemeEine fremde Geschäftsführerin hätte so viel nicht erhalten.der unangemessene Teilangemessene Gesamtbezüge; Tantieme in der Regel bis 25 % der Bezüge und bis 50 % des Jahresüberschusses
Gehaltserhöhung oder Tantieme rückwirkendDie Vereinbarung wurde nicht im Voraus getroffen.die Zahlungen für die Zeit vor dem BeschlussBeschluss vor dem Zeitraum, für den er gelten soll
Private Ausgaben über die GmbHDie GmbH zahlt ohne betrieblichen Anlass.der volle Betragkeine; private Ausgaben laufen nicht über die GmbH oder werden ihr erstattet
Geld vom Firmenkonto ohne GrundlageEs fehlen Gehaltsvereinbarung, Ausschüttungsbeschluss oder Darlehensvertrag.der entgangene Zins; ohne Absicht zur Rückzahlung der volle BetragGrundlage vor der Zahlung, schriftlich
Verrechnungskonto oder Darlehen ohne ZinsEin fremder Darlehensgeber hätte Zinsen verlangt.der fremdübliche ZinsDarlehensvertrag mit Zins, Laufzeit und Tilgung
Firmenwagen privat genutzt ohne RegelungDie Nutzung ist nicht vereinbart oder geht darüber hinaus.Fremdvergleichspreis, vereinfacht 1 % des Listenpreises im MonatÜberlassung im Anstellungsvertrag; dann Arbeitslohn statt vGA
Miete zwischen GmbH und GesellschafterinDie GmbH zahlt zu viel Miete oder erhält zu wenig.der Unterschied zur fremdüblichen MieteMietvertrag im Voraus, fremdübliche Miete, so gezahlt
PensionszusageSie ist zum Beispiel ohne Probezeit erteilt, nicht erdienbar oder nicht finanzierbar.der Aufwand für die Zusage, soweit sie nicht anerkannt wirdVoraussetzungen der BMF-Schreiben zu Probezeit, Erdienbarkeit und Finanzierbarkeit

Quellen: R 8.5 KStR 2022; BMF-Schreiben vom 1.2.2002 (Tantieme), 14.10.2002 (Gesamtbezüge) und 3.4.2012 (Kfz); BFH vom 22.2.2023, I R 27/20; Schreiben zur Pensionszusage laut Positivliste 2026.

Gehalt und Tantieme

Beim Gehalt gibt es zwei Wege in die verdeckte Gewinnausschüttung: die Höhe und die Form. Unangemessen ist, was eine fremde Geschäftsführerin für dieselbe Arbeit nicht erhalten hätte. Die Grundsätze dazu stehen in den BMF-Schreiben vom 14. Oktober 2002 und vom 1. Februar 2002. Beide stehen in der Positivliste des Bundesfinanzministeriums vom 20. März 2026 und gelten weiter. Bei der Form zählt vor allem der Zeitpunkt: Eine Erhöhung oder Tantieme gilt steuerlich erst ab dem Beschluss. Kriterien und Orientierungswerte erklärt der Artikel Geschäftsführergehalt angemessen.

Verrechnungskonto und Darlehen

Nimmt die Gesellschafterin Geld vom Firmenkonto, bucht die Kanzlei es typischerweise auf ein Verrechnungskonto. Das ist eine Forderung der GmbH. Verzichtet die GmbH auf eine angemessene Verzinsung, kann das eine verdeckte Gewinnausschüttung sein (BFH vom 22. Februar 2023, I R 27/20). Fehlen andere Anhaltspunkte, teilen sich fremde Darlehensgeber und -nehmer nach diesem Urteil die übliche Bankmarge zwischen Soll- und Habenzinsen.

Fehlt die Absicht zur Rückzahlung von Anfang an, ist nicht nur der Zins betroffen. Dann kann schon der ausgezahlte Betrag selbst eine verdeckte Gewinnausschüttung sein (vgl. BFH vom 28. Februar 2024, VIII B 44/22). Ein Ausgleich über andere Leistungen zählt bei einer beherrschenden Gesellschafterin nach dem Urteil von 2023 nur, wenn er im Voraus klar vereinbart und tatsächlich vollzogen wurde.

Firmenwagen

Nutzt die Gesellschafter-Geschäftsführerin den Firmenwagen privat, ohne dass das vereinbart ist, ist die Nutzung eine verdeckte Gewinnausschüttung. Das gilt nach dem BMF-Schreiben vom 3. April 2012 (BStBl I 2012, 478) für beherrschende und nicht beherrschende Gesellschafter. Angesetzt wird der Fremdvergleichspreis; aus Vereinfachungsgründen lässt die Verwaltung 1 % des inländischen Bruttolistenpreises pro Monat zu.

Ist die private Nutzung im Anstellungsvertrag geregelt, ist sie Arbeitslohn. Dann wird sie als Sachbezug in der Lohnabrechnung erfasst. Über die Fideus-Plattform erstellt ein spezialisierter Partner die monatliche Lohnabrechnung und die zugehörigen Meldungen, auch für die Geschäftsführung. Das ist gegen Aufpreis möglich; der Aufpreis steht im Angebot.

Welche Folgen hat eine verdeckte Gewinnausschüttung für die GmbH?

Die GmbH darf den Betrag der verdeckten Gewinnausschüttung nicht vom Gewinn abziehen. Das Finanzamt rechnet ihn dem Einkommen wieder hinzu; das erhöht Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer. Bei einem Hebesatz von 400 % sind das 2026 zusammen 29,825 % des Betrags. Hinzu kommen Zinsen auf die Nachzahlung.

  • Steuersatz: 15 % Körperschaftsteuer, 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf und 3,5 % mal Hebesatz Gewerbesteuer. Ab 2028 sinkt die Körperschaftsteuer schrittweise auf 10 % ab 2032 (§ 23 Abs. 1 KStG). Bei 400 % liegt die Belastung ab 2032 bei 24,55 %. Die Belastung je Hebesatz bis 2032 zeigt der Artikel Steuern einer GmbH.
  • Zinsen: Der Zinslauf beginnt 15 Monate nach Ende des Jahres, in dem die Steuer entstanden ist (§ 233a Abs. 2 AO). Die Zinsen betragen 0,15 % pro vollem Monat, also 1,8 % pro Jahr (§ 238 Abs. 1a AO).
  • Mehrere Jahre auf einmal: Fällt eine verdeckte Gewinnausschüttung erst in einer Betriebsprüfung auf, kann sie mehrere Jahre betreffen. Die Nachzahlungen kommen dann gemeinsam.

Wie wird eine verdeckte Gewinnausschüttung beim Gesellschafter besteuert?

Bei der Gesellschafterin ist die verdeckte Gewinnausschüttung ein Kapitalertrag wie eine Dividende (§ 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG). Liegt die Beteiligung im Privatvermögen, gilt in der Regel die Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 %. Auf Antrag ist das Teileinkünfteverfahren möglich, vorausgesetzt, die Beteiligung beträgt mindestens 25 %. Bei mindestens 1 % reicht es, wenn die Gesellschafterin durch ihre berufliche Tätigkeit für die GmbH maßgeblichen unternehmerischen Einfluss hat (§ 32d Abs. 2 Nr. 3 EStG).

Beides gilt nur, soweit die verdeckte Gewinnausschüttung das Einkommen der GmbH nicht gemindert hat, also dort korrigiert wurde. Sonst unterliegt der Betrag dem persönlichen Steuersatz (§ 32d Abs. 2 Nr. 4 EStG, § 3 Nr. 40 Satz 1 Buchst. d Satz 2 EStG). Ändert das Finanzamt den Bescheid der GmbH wegen einer verdeckten Gewinnausschüttung, darf es auch den Bescheid der Gesellschafterin ändern (§ 32a Abs. 1 KStG).

Beim Gehalt bedeutet das: Der unangemessene Teil ist bei der Gesellschafterin kein Arbeitslohn mehr, sondern Kapitalertrag. Die Einkommensteuer der Gesellschafterin wird entsprechend geändert. Wie sich das im Saldo auswirkt, hängt vom persönlichen Steuersatz ab und ist Aufgabe der Steuerkanzlei, bei der du mandatiert bist.

Fällt Kapitalertragsteuer an?

Ja. Auf eine verdeckte Gewinnausschüttung muss die GmbH wie bei einer Dividende 25 % Kapitalertragsteuer plus Solidaritätszuschlag einbehalten (§ 43 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG). Die Steuer entsteht, sobald der Vorteil zufließt (§ 44 Abs. 1 EStG). Fällt die verdeckte Gewinnausschüttung erst später auf, kann das Finanzamt die Steuer nachfordern. Für nicht einbehaltene Kapitalertragsteuer kann es die GmbH in Anspruch nehmen (§ 44 Abs. 5 EStG).

Verdeckte Gewinnausschüttung in der Holding-Struktur

Hält eine Holding die Anteile an der operativen GmbH, ist die Holding die Gesellschafterin. Eine verdeckte Gewinnausschüttung der Tochter erhöht dann deren Einkommen und fließt der Holding als Bezug zu. Dort ist sie wie eine Dividende im Ergebnis zu 95 % steuerfrei, vorausgesetzt, die Beteiligung liegt zu Beginn des Kalenderjahres bei mindestens 10 %. Für die Gewerbesteuer sind 15 % nötig. Das gilt nur, soweit die verdeckte Gewinnausschüttung das Einkommen der Tochter nicht gemindert hat (§ 8b Abs. 1 Satz 2 KStG).

Zahlt die Tochter direkt an die Person hinter der Holding, kann eine verdeckte Gewinnausschüttung an eine nahestehende Person vorliegen. Wie eine Holding aufgebaut ist und wie Gewinne zu ihr fließen, erklärt der Artikel Wie funktioniert eine Holding.

Was kostet eine verdeckte Gewinnausschüttung? Eine Modellrechnung

Eine verdeckte Gewinnausschüttung ist keine Strafsteuer. Sie stellt steuerlich den Zustand her, als wäre das Geld als Gewinn ausgeschüttet worden. Teuer wird sie, weil die Steuern nachträglich kommen, unter Umständen für mehrere Jahre, dazu Zinsen. Das Beispiel zeigt eine fiktive Ein-Personen-GmbH, die 2026 private Ausgaben von 10.000 € als Betriebsausgaben gebucht hat.

Modellrechnung der Steuern auf eine verdeckte Gewinnausschüttung von 10.000 € im Jahr 2026
Ebene und SteuerSatzBetrag
GmbH: Körperschaftsteuer15 %1.500,00 €
GmbH: Solidaritätszuschlag5,5 % der KSt82,50 €
GmbH: Gewerbesteuer3,5 % × 400 % = 14 %1.400,00 €
Gesellschafterin: Abgeltungsteuer25 %2.500,00 €
Gesellschafterin: Solidaritätszuschlag5,5 % der Abgeltungsteuer137,50 €
Summe56,2 %5.620,00 €

Modellrechnung, ersetzt keine Prüfung durch eine Steuerkanzlei. Annahmen: Steuersätze 2026, Hebesatz 400 %, Beteiligung im Privatvermögen, Abgeltungsteuer, ohne Kirchensteuer und ohne Zinsen.

Beim Verrechnungskonto ist der Betrag kleiner, solange nur der Zins fehlt. Beispiel (fiktiv): Auf dem Verrechnungskonto steht ein Jahr lang eine Forderung von 50.000 € gegen die Gesellschafterin, ohne Vertrag und ohne Zins. Bei einem angenommenen fremdüblichen Zins von 4 % ist die verdeckte Gewinnausschüttung 2.000 €; die Steuern darauf betragen nach demselben Schema 1.124 €. Fehlt die Absicht zur Rückzahlung, können die vollen 50.000 € als Kapitalertrag gelten: bei der Gesellschafterin dann 13.187,50 € Abgeltungsteuer mit Solidaritätszuschlag. Wie sich das bei der GmbH auswirkt, hängt davon ab, wie die Zahlung gebucht wurde. Modellrechnung, ersetzt keine Prüfung durch eine Steuerkanzlei; der Zins von 4 % ist eine Annahme, kein Richtwert.

Was ist der Unterschied zur verdeckten Einlage?

Die verdeckte Einlage ist das Gegenstück zur verdeckten Gewinnausschüttung. Hier gibt die Gesellschafterin der GmbH einen Vorteil, ohne dafür neue Anteile zu erhalten. Verdeckte Einlagen erhöhen das Einkommen der GmbH nicht (§ 8 Abs. 3 Satz 3 KStG). Nach R 8.9 Abs. 1 KStR 2022 muss der Vorteil einlagefähig sein. Das ist er, wenn er sich in der Bilanz der GmbH niederschlägt, etwa als neuer Vermögenswert oder als wegfallende Schuld (H 8.9 KStH 2022).

Unterschied zwischen verdeckter Gewinnausschüttung und verdeckter Einlage
MerkmalVerdeckte GewinnausschüttungVerdeckte Einlage
RichtungGmbH an GesellschafterinGesellschafterin an GmbH
Wirkung bei der GmbHmindert das Einkommen nichterhöht das Einkommen nicht
BeispielGmbH zahlt private RechnungenVerzicht auf ein bereits entstandenes Gehalt

Nicht einlagefähig sind reine Nutzungsvorteile. Gibt die Gesellschafterin der GmbH ein zinsloses Darlehen, ist der entgangene Zins keine verdeckte Einlage (BFH vom 26.10.1987, GrS 2/86). Beim Gehaltsverzicht entscheidet der Zeitpunkt: Verzichtet die Gesellschafterin erst nach Entstehung des Anspruchs, kann das Gehalt als zugeflossen gelten und eine verdeckte Einlage vorliegen (BFH vom 15. Juni 2016, VI R 6/13).

Welche Fehler führen in der Praxis zu einer verdeckten Gewinnausschüttung?

Im Onboarding neuer Kundinnen und Kunden auf der Fideus-Plattform sind die folgenden Fehler aufgefallen. Die meisten betreffen die Form, nicht die Höhe. Jeder kann dazu führen, dass eine Zahlung an die Gesellschafterin als verdeckte Gewinnausschüttung gilt.

  • Private Ausgaben mit der Firmenkarte: Private Käufe werden mit der Karte der GmbH bezahlt und als Betriebsausgabe eingereicht.
  • Privatentnahmen ohne Grundlage: Geld geht vom Firmenkonto an die Gesellschafterin, ohne Gehaltsvereinbarung oder Ausschüttungsbeschluss.
  • Geld ohne Darlehensvertrag verschoben: Zahlungen zwischen Privat- und Firmenkonto laufen ohne Vertrag hin und her; beobachtet bei Holding-UGs.
  • Ausschüttung ohne Beschluss: Geld geht an die Gesellschafterin oder die Holding, ohne Beschluss oder ohne unterschriebene Niederschrift.
  • Gehalt ohne schriftliche Vereinbarung: Das Gesetz verlangt keine Schriftform, aber ohne sie lässt sich kaum belegen, dass die Vereinbarung im Voraus getroffen war.
  • Rückwirkend vereinbart: Eine Gehaltserhöhung oder Tantieme wird erst nachträglich für einen schon laufenden Zeitraum beschlossen.

Wie lässt sich eine verdeckte Gewinnausschüttung vermeiden?

Eine verdeckte Gewinnausschüttung lässt sich in der Regel vermeiden, wenn jede Zahlung zwischen GmbH und Gesellschafterin eine Grundlage hat, die vor der Zahlung feststeht. Die Grundlage muss fremdüblich sein und so gelebt werden, wie sie vereinbart ist. Private Ausgaben laufen nicht über die GmbH.

  • Vorher vereinbaren: Gehalt, Tantieme, Miete, Darlehen und Firmenwagen vor dem Zeitraum regeln, für den sie gelten.
  • Schriftlich festhalten: Vertrag oder Beschluss mit unterschriebener Niederschrift.
  • Fremdüblich gestalten: Konditionen, die auch eine fremde Person erhalten hätte.
  • So durchführen: Zahlungen in der vereinbarten Höhe und zum vereinbarten Zeitpunkt.
  • Ausschüttung nur mit Beschluss: Gewinn fließt als offene Ausschüttung nach Feststellung des Jahresabschlusses.

Verträge wie Anstellungs-, Darlehens- oder Mietvertrag sind Rechtsfragen. Ihre Gestaltung ist Sache eines Rechtsanwalts oder spezialisierter Partner. Wie Jahresabschluss und Körperschaftsteuererklärung zusammenhängen, erklärt der Artikel Steuererklärung und Jahresabschluss.

Private Ausgaben über die GmbH gehören zu den Fehlern, die im Onboarding auffallen. Die Fideus-Plattform hilft dabei, Belege vollständig zu erfassen und private Ausgaben früh erkennbar zu machen:

  • Bankkonten: Du verknüpfst deine Geschäftskonten einmal, danach ruft die Plattform die Transaktionen automatisch ab.
  • Belege: Du lädst sie hoch oder leitest sie per E-Mail weiter. Fideus stellt dafür eine eigene E-Mail-Adresse bereit, die du bei Tools wie Software-Abos als Rechnungsadresse hinterlegen kannst.
  • Zuordnung: Die Plattform ordnet Beleg und Transaktion mit eigener KI-Technologie zu und schlägt ein Buchungskonto vor.

Die Kanzlei, bei der du mandatiert bist, prüft den Vorschlag, kontiert und bucht in eigener Verantwortung. Ob eine Zahlung eine verdeckte Gewinnausschüttung ist, beurteilt ebenfalls die Kanzlei.

Fazit

Eine verdeckte Gewinnausschüttung entsteht, wenn die GmbH ihrer Gesellschafterin einen Vorteil gibt, den eine fremde Person nicht erhalten hätte. In der Ein-Personen-GmbH liegt die Ursache meist in der Form: Es fehlt eine klare Vereinbarung im Voraus, oder private Ausgaben laufen über die GmbH. Die Folge sind Steuern auf beiden Ebenen und Zinsen, oft für mehrere Jahre auf einmal.

  • Jede Zahlung an die Gesellschafterin braucht eine Grundlage, die vor der Zahlung feststeht.
  • Die GmbH zahlt 2026 bei einem Hebesatz von 400 % zusätzlich 29,825 % des Betrags.
  • Die Gesellschafterin zahlt in der Regel 26,375 % Abgeltungsteuer mit Solidaritätszuschlag.

Fideus ist eine Plattform für Steuer- und Buchhaltungskoordination. Im Paket „Operatives Unternehmen“ bucht die Steuerkanzlei, bei der du mandatiert bist, die laufenden Geschäftsvorfälle und erstellt Umsatzsteuervoranmeldungen, Jahresabschluss und Steuererklärungen in eigener Verantwortung. Das Paket beginnt bei 2.000 € pro Jahr netto, als Gesamtpreis für Plattform- und Kanzleileistungen; Fideus und die Kanzlei rechnen ihren Anteil jeweils selbst ab. Die Lohnabrechnung erstellt über Fideus ein spezialisierter Partner gegen Aufpreis; alle Kosten stehen im Angebot. Nicht betreut werden reine Depot- und Immobilien-GmbHs, Aktien- und ETF-Handel sowie Kryptowährungen, im Paket „Operatives Unternehmen“ außerdem Handel und E-Commerce. Wie das Paket für Agenturen abläuft, zeigt die Seite Fideus für Agenturen; alle Pakete, auch für Holdings, stehen unter Preise.

Quellen

Alle Fundstellen geprüft am 24. September 2026.

Häufige Fragen

Ist eine verdeckte Gewinnausschüttung strafbar?

Die verdeckte Gewinnausschüttung ist ein Begriff des Steuerrechts und für sich keine Straftat. Sie führt zu Steuernachzahlungen und Zinsen. Strafbar ist Steuerhinterziehung (§ 370 Abs. 1 AO). Sie begeht, wer vorsätzlich unrichtige oder unvollständige Angaben über steuerlich erhebliche Tatsachen macht oder sie pflichtwidrig verschweigt und dadurch Steuern verkürzt. Leichtfertig begangen ist das eine Ordnungswidrigkeit (§ 378 AO). Ob das im Einzelfall vorliegt, ist eine Frage für die Steuerkanzlei, bei der du mandatiert bist, oder einen Rechtsanwalt.

Wie wird eine verdeckte Gewinnausschüttung beim Gesellschafter besteuert?

Als Kapitalertrag (§ 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG). Liegt die Beteiligung im Privatvermögen, gilt in der Regel die Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 %. Auf Antrag ist ab 25 % Beteiligung das Teileinkünfteverfahren möglich. Beides gilt nur, soweit die verdeckte Gewinnausschüttung bei der GmbH korrigiert wurde; sonst gilt der persönliche Steuersatz (§ 32d Abs. 2 Nr. 4 EStG).

Fällt auf eine verdeckte Gewinnausschüttung Kapitalertragsteuer an?

Ja. Die verdeckte Gewinnausschüttung ist ein Kapitalertrag im Sinne des § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG. Darauf muss die GmbH 25 % Kapitalertragsteuer plus Solidaritätszuschlag einbehalten (§ 43 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, § 43a EStG). Die Steuer entsteht, sobald der Vorteil zufließt (§ 44 Abs. 1 EStG). Fällt die verdeckte Gewinnausschüttung erst später auf, kann das Finanzamt die Steuer nachfordern.

Gilt das auch für die UG?

Ja. Die UG (haftungsbeschränkt) ist eine GmbH mit geringerem Stammkapital. Für sie gelten dieselben Regeln zur verdeckten Gewinnausschüttung, auch die strengeren Anforderungen an Vereinbarungen mit einer beherrschenden Gesellschafterin.

Wer entscheidet, ob eine verdeckte Gewinnausschüttung vorliegt?

Das Finanzamt, typischerweise bei der Veranlagung der Körperschaftsteuer oder in einer Betriebsprüfung. Maßstab ist der Fremdvergleich: Hätte die GmbH denselben Vorteil einer fremden Person gewährt? Die Beurteilung im Einzelfall ist Aufgabe der Steuerkanzlei, bei der du mandatiert bist.

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